Franz Klammer über Freundschaft, Niederlagen und die Schweizer
Von Mario Rall
Der erfolgreichste Abfahrer aller Zeiten erklärt, wie es zur Freundschaft mit Bernhard Russi kam, wie ihn Österreichs Abfahrtsniederlagen Schmerzen und wie er Russi und Walter Tresch um einige Franken erleichterte.
Franz Klammer, du bist extra in die Schweiz geflogen zum Sapporo-Golf-Turnier von Bernhard Russi. Was ist der Hintergrund?
Ganz einfach: Wir sind sehr gute Freunde, und da trifft man sich gerne. Und ich bin stolz, dass wir als frühere Gegner heute so eine Freundschaft haben.
Gute Freunde - kann man das erst werden, wenn man nicht mehr gegeneinander Skirennen fahren muss?
Nein, bei uns begann die Freundschaft schon während der Aktivzeit. Kameradschaft, der grenzüberschreitende Kontakt, war mir schon immer wichtig und ist auch der Sinn des Sports.
Der härteste Gegner als Freund - wie kam es dazu?
An Olympia 1976 in Innsbruck hätte Bernhard unsterblich werden können, wenn er seinen Titel von Sapporo 1972 erfolgreich verteidigt hätte. Aber ich habe ihn geschlagen. Und hinterher war seine Gratulation so etwas von herzlich, sie kam so aus seinem Innern, war so ehrlich, dass ich total überwältigt war. Es war etwas ganz Spezielles - es war eben der Bernhard. So etwas vergisst man nicht und es verbindet.
In der Schweiz gibt es die Sapporo-Stiftung, du selbst hast die Franz Klammer Fundation - was macht die genau?
Sie unterstützt junge Sportler, die sich verletzen und meist unterversichert sind. Die erste Hilfe vor Ort ist ja immer bezahlt - aber hinterher die Operationen und Rehabilitation nicht. Da hilft meine Stiftung. Ein Beispiel: Ein junger Motocrossfahrer ist schwer gestürzt und vom Hals an abwärts gelähmt. Dieser Bursche war nicht unterversichert, sondern überhaupt nicht versichert. Da haben wir geholfen, bis zur Wohnungssuche.
Da warst ein grosser Gegner der Schweizer Abfahrer in den 70er-Jahren, du bist mit 25 Siegen der erfolgreichste Abfahrer aller Zeiten - es muss dich geschmerzt haben, dass Österreich im letzten Winter keine einzige Abfahrt gewonnen hat…
Da hat weh getan, stimmt. Aber das ist die Folge, dass man in Österreich zu lange den falschen Weg gegangen ist. Man wollte nur noch Allrounder, keine Spezialisten mehr, und nun haben wir das Resultat. Es betrifft ja nicht nur die Abfahrt, auch im Super-G und dem Riesenslalom sind wir nicht mehr dominierend. Jetzt kann ich nur hoffen, dass unser Leidensweg nicht so lange sein wird wie er für die Schweizer war…!
Als Folge der fehlenden Siege, auch an Olympia, hat man in Österreich die Trainer ausgewechselt. Wie schnell kann das den Erfolg zurückbringen?
Die Trainer allein können es nicht richten, es muss das ganze System geändert werden. Ich wäre froh, wenn wir bis 2013, bis zur WM in Schladming, wieder ganz vorne sind. Aber: So dominant wie Österreich einmal war, mit Mehrfachsiegen, das wird es nicht mehr geben, das ist nicht mehr möglich. Für mich ganz persönlich ist einfach wichtig, dass Österreich auf der Abfahrt wieder gewinnt.
Wie wichtig ist es für dich, dass du die Schweizer im Golf schlägst?
Das letzte Mal, als wir Mann gegen Mann spielten, wollten mir der Bernhard und der Walter Tresch das Geld abnehmen. Aber es war ich, der mit ein Paar Franken im Sack heimkehren konnte!
► Franz Klammer ist Ehrengast bei Bernhard Russi
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| 20:10:26 20.06.2010 | Archiv |
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