Carlo Janka auf dem Weg zur Giganten-Triplette
Von Richard HegglinCarlo Janka sprengt alle Grenzen. Im zarten Alter von 23 Jahren befindet sich der Bündner auf dem Weg zur Giganten-Triplette: WM-Titel, Olympiasieg und nun Gesamtweltcup! Mit dem dem Triumph in der Abfahrt in Garmisch überholte er Benjamin Raich um 54 Punkte.
Insgesamt haben das in der Geschichte des Skisports erst ein gutes Dutzend Athleten geschafft - als einziger Schweizer Pirmin Zurbriggen. Aber noch nie schaffte das einer so jung in so kurzer Zeit. Allein schon der letzte Schweizer Gesamtsieg im Weltcup liegt 18 Jahre zurück.
"Paul Accolas war's, wenn ich das richtig im Kopf habe", rätselt Janka, "in der Saison 1991/92?" Und die andern beiden Gesamtsieger? "Da ist bestimmt Pirmin Zurbriggen dabei". Und der dritte? "Keine Ahnung!". Das war Peter Lüscher im Jahr 1979. Janka ist erst 1986 geboren. Das illustriert die historische Dimension seiner Leistung.
Cuche: "Carlo hat den Instinkt im Blut"
Didier Cuche, der selber wiederholt Anlauf auf den Gesamtsieg nahm und nun zum vierten Mal in Serie Dritter wird, attestiert seinen jungen Kollegen aussergewöhnliche mentale Qualitäten: "Er hat den Instinkt im Blut. Bei der Linienwahl macht er automatisch das Richtige."Bei seinem Debut auf der umgebauten Kandahar-Strecke von Garmisch fuhr er mit einem unwiderstehlichen Finish allen um die Ohren, nachdem er im Training nur Fünfzehnter gewesen war: "Als ich die Abschnittzeiten analysierte, wusste ich, dass einiges drin liegt." Einen Sieg hatten ihm aber die wenigsten zugetraut. Nicht einmal sein Vater Reto, der mit Carlos Bruder Pirmin und dem Fanclub in Garmisch mitjubelte.
Nach halber Distanz erst Vierzehnter mit einer halben Sekunde Rückstand, fuhr er mit Bestzeiten auf den letzten Abschnitten ("in Kurven, die man treffen musste") der Konkurrenz um die Ohren und gewann 0,02 vor Mario Scheiber (zum siebenten Mal Zweiter, aber noch ohne Sieg!) und 0,07 vor den zeitgleichen Patrick Küng und Erik Guay. Selbst der Rückstand von Didier Cuche im 8. Rang betrug nur 19 Hundertstelsekunden. "Damit habe ich einen Schritt in die richtige Richtung gemacht", meinte Janka gelassen.
Janka: "Immer angreifen - nicht taktieren"
Jankas grosser Gegenspieler Benjamin Raich verzichtete auf die Abfahrt, nachdem er in dieser Disziplin noch keinen einzigen Punkt geholt hatte. Stattdessen trainierte er in seiner Heimat im Pitztal Riesenslalom. In dieser Disziplin könnte es am Freitag zum grossen "Showdown" kommen. Im Riesenslalom werden beide etwa gleich stark eingeschätzt. Im Super-G am Donnerstag besitzt Janka leichte Vorteile, im Slalom vom Samstag zählt Raich zu den Favoriten. Janka fährt diese Disziplin meist nur im Rahmen der Kombination.Wenn Janka im Super-G den Vorsprung auf über 100 Punkte ausbauen könnte, würde Raich gewaltig unter Druck geraten. Schon viermal hat dieser den Gesamtweltcup bei einem Weltcup-Finale verspielt. Auch psychologisch wären die Vorteile auf Seiten von Janka. Dieser packt die Sache mit der ihm angeborenen Nüchternheit an: "Ich werde nicht taktieren und wie immer voll angreifen."
Druck spürt Janka nicht im geringsten: "Ich bin mit der Saison schon so zufrieden, egal ob nun die grosse Kugel dazukommt oder nicht. Diese Ausgangslage kommt mir entgegen. Ich nehme die nächsten beiden Rennen wie jedes andere." Der Gejagte ist Benjamin Raich, obwohl er sich jetzt in einer Jäger-Position befindet. Raich ist zudem der einzige, der für Österreich die verkorkste Saison noch retten könnte. Zum ersten Mal seit 1987 blieben sie in der Abfahrt sieglos.
Patrick Küngs Exploit
Im Glanz des Triumphs von Carlo Janka ging eine andere hervorragende Schweizer Leistung beinahe unter. Der junge Glarner Patrick Küng, der dank einem Fixplatz aus dem Europacup (Top 3) im Weltcup durfte, krönte seine Saison mit dem ersten Podestplatz. Zum ersten Sieg fehlten ihm weniger als eine Skilänge - genau 1,95 m."Ein Top-Ten-Resultat war mein Saisonziel. Mit der Olympia-Qualifikation und dem Podestplatz habe ich dieses weit übertroffen", freute sich Küng, der unverzüglich zum Europacup-Finale nach Tarvisio abreiste. Dort möchte er im Super-G für den nächsten Winter einen Fixplatz holen - mit ähnlicher Fortsetzung?
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| 18:17:00 10.03.2010 | Archiv |
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