Österreicher planen Angriff auf Carlo Janka - aber Benni Raich gibt Forfait!
APA. Die kleine Kristallkugel ist zwar schon an Didier Cuche vergeben, dennoch steht am Mittwoch (9.15 Uhr) in der letzten Männer-Abfahrt des Ski-Winters sehr viel auf dem Spiel. Für Benni Raich zählt zum Auftakt des Saison-Finales in Garmisch-Partenkirchen auf der neuen Kandahar 2-Strecke jeder Punkt im Kampf um den Gesamtweltcup, für die heuer noch sieglosen ÖSV-Abfahrtsasse geht es um die Ehre.
Beim Weltcup-Finale erhalten nur die Top-15 Punkte. Um das zu erreichen, wird sich Raich im Vergleich zum Training deutlich steigern müssen. Raich verlor als 24. unter 26 Startern im Training 4,42 Sekunden auf den Schnellsten, seinen Landsmann Hans Grugger. "Ich muss die Timing-Fehler abstellen und genauer fahren. Dann ist noch sehr viel Zeit drinnen für mich", meinte Raich nach der verpatzten Debüt-Fahrt auf der WM-Strecke 2011. Aber dann kam die Einsicht: Keine Chance auf Punkte in der Abfahrt - Raich gab Forfait und liess sich gar nicht erst auslosen fürs Rennen.
Carlo Janka, der Schweizer Rivale des Tirolers, belegte im Training Platz 15. Jankas aktueller Rückstand auf Raich beträgt 46 Punkte. Seinen Gemütszustand beschrieb Raich als "voll fokussiert". "Natürlich ist eine gewisse Anspannung da. Aber das muss so sein, um schnell zu fahren", erklärte der 32-Jährige im Hinblick auf den Super-G vom Donnerstag. Einen Routine-Vorteil gegenüber dem 23-jährigen Janka sieht Raich nicht. "Carlo ist ein cooler Typ, er hat gute Karten. Aber auch ich werde alles geben. Und ich weiss, was ich kann."
Janka: Benni ist der Favorit
Für Janka hat der Pitztaler die klar besseren Karten, der Schweizer sieht sich in den Speed-Disziplinen am Mittwoch und Donnerstag (Super-G) unter Zugzwang. "Benni ist der Favorit für die Endabrechnung. Ich muss in den Speedrennen viele Punkte gutmachen, sonst ist der Zug ganz sicher abgefahren."
Raich kann durchaus auf ÖSV-Schützenhilfe hoffen, damit Janka am Mittwoch keinesfalls die ganz fetten Abfahrts-Punkte abholt. Denn neben Grugger (1.) landeten im Training auch Mario Scheiber (2.) und Michael Walchhofer (4.), der neuerlich eine Karriere-Fortsetzung andeutete, im absoluten Spitzenfeld. Die ÖSV-Armada scheint wild entschlossen zu sein, die erste Saison ohne Abfahrtssieg seit 1991/92 im letzten Moment zu verhindern.
"Natürlich lastet ein grosser Druck auf der ganzen Mannschaft", weiss Männerchef Toni Giger. "Das Thema, dass wir mehr als ein Jahr keine Abfahrt gewonnen haben, wird derzeit rauf und runter gespielt. Wir waren oft wahnsinnig knapp dran und unsere Mannschaft wurde dank Scheiber und Grugger wieder dichter, aber ganz nach vorne haben wir es eben noch nicht geschafft."
Extrem spannend
Das Duell zwischen Raich und Janka sieht Giger als "völlig offene Partie". "Das wird extrem spannend. Ich würde mich nicht trauen, einen Tipp abzugeben." Ähnlich wie Raich glaubt auch der Chefcoach, dass die Routine kein entscheidender Vorteil ist. "Ein Routinier trifft auf einen Jungen, der auch schon coole Rennen gefahren ist. Carlo ist einer, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Für sein junges Rennalter hat er schon eine enorme Standfestigkeit."
Auf dem Weg zu alter Stärke befindet sich der leidgeprüfte Hans Grugger, der am Dienstag Trainingsbestzeit markierte. "Aber im Rennen bin ich trotzdem nur ein kleiner Aussenseiter. Ich hoffe jedoch, dass sich das in Zukunft wieder ändert." Mit der Saison ist der Salzburger unabhängig vom Ausgang des Rennens mehr als zufrieden."Ich bin zwei Jahre lang daheim gesessen, angesichts dessen darf ich mit der Saison sehr glücklich sein, ich war dreimal in den Top-Ten. Alles was jetzt noch kommt ist Zugabe", betonte Grugger, der in den vergangenen vier Jahren sieben Vollnarkosen über sich hat ergehen lassen müssen. Er wurde u.a. nach einer Hüftluxation und drei Kreuzbandrissen operiert.
Marco Büchel als Versuchskaninchen
Sein aktueller Vollbart ist jedoch kein Glücksbringer, "ich bin einfach nur zu faul zum Rasieren", ausserdem hilft der dichte Bart gegen die beissende Kälte in Garmisch. Die letzte Abfahrt der Karriere bestreitet am Mittwoch das Liechtensteiner Urgestein Marco Büchel. Der 38-Jährige hat sich auch bereit erklärt, an einem FIS-Pilotprojekt mitzuwirken. Büchel wird im Rennen technisches Equipment tragen, das dem Zuschauer Informationen wie die aktuelle Pulsfrequenz auf den TV-Schirm übermitteln wird.
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| 14:36:00 09.03.2010 | Archiv |
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