Die Rechnung ist für Loïc Meillard aufgegangen

Die Rechnung ist für Loïc Meillard aufgegangen
05.03.2016 15:28:35 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Weltcup statt Junioren-WM – für Loïc Meillard hat sich der Abstecher nach Kranjska Gora mit dem ersten Top-10-Resultat auf höchster Stufe gelohnt. Und nun stehen die nächsten Ziele an.

Er stand im Swiss-Ski-Aufgebot für die Junioren-WM in Sotschi. Der dreifache Medaillengewinner der Titelkämpfe des Jahres 2015 hätte am Schwarzen Meer zu den Anwärtern auf Titel und Podestplätze gehört. Dennoch haben sich der Fahrer und seine Trainer entschieden, auf die Karte Weltcup zu setzen und die Reise nach Sotschi ausfallen zu lassen. Es sei eine Entscheidung für die sportliche Zukunft von Loïc Meillard gewesen, erklärt Riesenslalom-Trainer Jörg Roten. "Loïc soll sich im Weltcup etablieren können. Medaillen von Junioren-Weltmeisterschaften hat er bereits", so Roten. Eine Entscheidung, die nach dem 31. Platz im 1. Lauf des Rennens vom Freitag, auch hätte zu einer Rechnung ohne zählbares Resultat werden können.

Es kam der Samstag. Das Rennen auf einer harten und unruhigen Piste. "Verhältnisse, die ich mag", wird Meillard später sagen. Nach einem sehr guten 1. Lauf liegt der im Kanton Neuenburg gross gewordene Walliser trotz hoher Startnummer auf Platz 14. Die Enttäuschung vom Vortag war weit weg. "Auch, weil Loïc im Kopf stark ist", sagt Roten. Meillard habe sich nach dem Rennen vom Freitag beim freien Skifahren mit seinen Freeride-Skis – "so, wie er das immer tut" (Roten) – ausgetobt und den Kopf frei bekommen. Und das scheint die gewünschte Wirkung gehabt zu haben. Loïc Meillard greift an, fährt im von Marcel Hirscher gewonnenen Rennen die viertschnellste Laufzeit und stösst auf Platz 8 vor.

"Es hat ganz gut funktioniert", sagt Meillard. Mit "es" meint er einerseits seine angriffige Taktik und andererseits sein Material. Dass Meillard angreifen würde war für Roten klar. "Ein verbremster Lauf und dann als 24. einige Weltcup-Punkte, das bringt ihm nichts." Eine Aussage die zeigt, wohin es mit dem Romand in Zukunft gehen soll: nach vorne. Denn Weltcup-Punkte hatte Meillard bis zum 5. März in neun Rennen gerade ein einziges Mal gemacht, sind also alles andere als die Norm. Dennoch kam ein "Verwalten" des 14. Platzes nicht in Frage. "Loïc hat im Training immer wieder gezeigt, zu was er fähig ist. Und wenn er angreift, dann fährt er automatisch besser", sagt Roten.

Der Erfolg von Kranjska Gora gibt allen Recht. Den Trainern, die auf die Karte Weltcup gesetzt haben; dem Fahrer, der angegriffen hat und zum ersten Mal in die Weltelite der Riesenslalom-Fahrer vorgestossen ist. Nun geht es für Loïc Meillard im Europacup weiter. Nächster Fixpunkt ist der letzte Super-G des kontinentalen Cups in Saalbach. Danach gehts weiter nach Oberjoch und La Molina. Dort stehen Riesenslaloms auf dem Programm. Und auch der Auswahl der nächsten Einsätze Meillards liegen karriereplanerische Überlegungen zu Grunde: der 19-Jährige liegt mit 334 Punkten  in der Riesenslalom-Wertung des Europacups sechs Zähler hinter dem Österreicher Stefan Brennsteiner auf Platz zwei. "Die Chance auf einen Fixplatz im Weltcup und auch auf Platz eins sind da", sagt Roten. Den Gegnern im Kampf um diese Top-Position hat Meillard in Kranjska Gora gezeigt, dass er gewillt ist, auch diese Herausforderung anzunehmen. Stefan Brennsteiner (26. in Kranjska Gora), der Finne Eemelie Pirinen (25.), Dominik Schwaiger (29.), Manuel Feller (7.)  und Axel William Patricksson (DNQ) haben es vor Ort gesehen. Simon Maurberger wird es in Sotschi – dort, wo Loïc Meillard eigentlich auch hätte sein können – mitbekommen haben.

Der Stand im Europacup, Riesenslalom: 1. Stefan Brennsteiner (Ö) 340 Punkte. 2. Loïc Meillard (Sz) 334. 3. Simon Maurberger (It) 324. 4. Eemeli Pirinen (Fi) 284. 5. Axel William Patricksson (No) 283. 6. Dominik Schwaiger (D) 296. 7. Manuel Feller (Ö) 200.

Lesen Sie dazu auch:
Marcel Hirscher – der ganz grosse Sieger von Kranjska Gora
Foto: Agence Zoom