Sohn als Glücksbringer bei Schörghofers Podest-Comeback

Sohn als Glücksbringer bei Schörghofers Podest-Comeback
04.03.2016 17:32:21 | skionline.ch, Peter Gerber
APA. Erstmals ist Baby Matthäus bei einem Skirennen live dabei gewesen, und schon landet sein Papa wieder auf dem Stockerl. Nach mehr als vierjähriger Pause feierte Philipp Schörghofer sein Comeback unter den besten drei eines Weltcuprennens.

Wegen des grossen Rummels hatte die kleine Familie dem Spross die Rennen zuletzt in Hinterstoder nicht zumuten wollen, also reiste Ehefrau Nina mit dem sechs Monate alten Matthäus nach Slowenien. "Hinterstoder wäre zu viel gewesen. Wir haben gedacht, hier passt es. So ein kleiner Mensch muss das auch erst verkraften. Das ist schon eine geile Geschichte, dass er das erste Mal dabei ist und ich am Podium bin", freute sich der 33-jährige Schörghofer. Auch wenn Matthäus natürlich noch nichts "checkt", so sei das für ihn als Vater schon speziell. "Ich weiss, dass er da war. Und ich erzähl es ihm. Wir haben auch Fotos gemacht. Die Startnummer hat er schon an. Und den Pokal stelle ich ihm einfach in sein Zimmer."

Seit 18. Dezember 2011, als er im Riesenslalom von Alta Badia Dritter war, wartete Schörghofer auf einen Podestplatz. Vier Jahre habe er gebraucht, um nach der Reglement-Änderung mit den neuen Riesenslalom-Ski zurechtzukommen. "Das ist lange, aber ich habe nie aufgegeben", sagte der Gewinner von bisher einem Weltcuprennen, Inhaber von nun fünf Podesträngen sowie der Riesenslalom-Bronzemedaille bei der WM 2011 und Gold und Silber in WM-Teambewerben.

In Kranjska Gora griff Schörghofer auch zu einem neuen Ski, der ein anderes "Steifigkeitsverhalten" habe. "Ich habe ihn vorgestern das erste Mal genommen und heute gleich beim Rennen. Der hat bis jetzt drei Fahrten auf dem Buckel, aber super funktioniert. Da muss ich einen Dank an die Firma Fischer aussprechen." Er habe sofort grosses Vertrauen in den Ski gehabt und bis zum Ziel durchgezogen, das sei der "Schlüssel" zum Erfolg gewesen.

Im zweiten Lauf hatte Schörghofer einen Schreckmoment zu überstehen, meisterte die Situation aber routiniert. "Ich habe mir schon gedacht, was ich da tue, bin dann aber drauf geblieben. Ich wusste, alles oder nichts, war auf Schadensbegrenzung aus. Ich bin sogar einmal in die Hocke gegangen. Ich hätte nie gedacht, dass das für den zweiten Platz reichen kann, das hat mich überrascht, das war schon richtig cool im Ziel."

Schörghofer bezeichnet sich als "Kämpfer", nie sei ihm etwas leicht in den Schoss gefallen. "Ich muss mir das alles erarbeiten. Ich bin auch stolz drauf. Ich habe in den vier Jahren viel gelernt. Ich möchte sie nicht missen, aber rein skifahrerisch wäre es besser gewesen, wenn es anders gewesen wäre." Öfters habe er daran gedacht, den Hut draufzuhauen. "Wenn man schon Medaillen gewonnen hat und dann auf einmal nicht mehr vorne mit dabei ist, zweifelt jeder. Aber ich wusste immer, ich bin ein super Skifahrer, ich habe das in mir. Ich habe das schon mal geschafft und werde das auch wieder schaffen. Ich habe fest daran geglaubt und die wichtigsten Leute haben mich unterstützt."

Als Riesenslalom-Spezialist hat Schörghofer aufgrund der Wetterkapriolen eine Saison mit vielen Absagen, Verschiebungen und langen Rennpausen hinter sich, im Jänner hat er sogar einen zweiwöchigen Kondiblock eingelegt. "Du musst schauen, dass du in Schuss bleibst, darfst dich aber auch nicht zu Tode fahren. Du musst ja noch Freude daran haben und heiß sein. Ich bin nun an meinem Saisonhöhepunkt gut drauf. Ich habe ja jetzt Hochsaison, jede Woche Rennen, das ist super."

Samstag bietet sich ihm in Kranjska Gora bei einem weiteren Riesenslalom die Chance, erneut im Spitzenfeld zu landen. "Möglich ist alles, jeder startet wieder bei null. Hoffentlich passt das Wetter halbwegs, ich bin voll Freude und voll motiviert. Es taugt mir voll, dass ich nach diesem Rennen wieder eines habe." Regen ist ab Mittag angesagt, was der weichen Piste weiter zusetzen dürfte.
Foto: Agence Zoom