Lara Gut: "Ich darf weder links noch rechts schauen"

Lara Gut:
04.03.2016 15:49:50 | skionline.ch, Peter Gerber
APA. Bei den Frauen steht der Gesamt-Weltcup vor der Entscheidung. Lindsey Vonn hat wegen einer Knieverletzung das Handtuch werfen müssen, damit ist Lara Gut Topfavoritin auf die grosse Kristallkugel.

Lara Gut will sich aber nicht bereits als Gesamtsiegerin feiern lassen. "Es sind noch acht Rennen und die 800 Punkte zählen genauso viel wie am Anfang der Saison", winkte die 24 Jahre alte Tessinerin am Freitag nach der Hangbefahrung im stark hängenden Zielgelände ab. "Man soll deshalb nicht so tun, als ob schon alles fix wäre. Wie schnell was passieren kann, hat man heuer schon mehrmals erlebt", warnte sie. Gut ist nun zwar die große Favoriten, für sie ist aber noch nichts entschieden. "Bis 20. März gibt es Rennen zu fahren. Bis dahin muss ich jede Chance ausnutzen und darf weder links noch rechts schauen", lautet ihr Rezept.

Obwohl die noch führende Vonn nun aus dem Rennen ist, wurde Gut in der Slowakei nochmals auf ihre jüngste Kritik an der US-Amerikanerin ("Schauspielerin") angesprochen. Ihr sei es vor allem um Vonns Verhalten in den sozialen Medien gegangen, betonte die Schweizerin. "Ich bin nicht da, um ihre Kommunikation zu beurteilen. Aber es gibt eben solche, die zuerst zu den Ärzten gehen", hielt sie fest. Vonn wisse sehr gut, wie man in sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit bekommen könne, betonte Gut und legte in einem Radio-Interview nochmals explizit nach. "Lindsey hat oft, bevor sie
überhaupt noch wusste, ob sie verletzt ist, Bilder gepostet." Insgesamt wolle sie die Situation aber nicht überbewerten. "Es ist doch spannend, wenn es in einem Sport Athleten gibt, die sich duellieren. Das ist auch wichtig für den Sport und die Zuschauer, das war letztes Jahr zwischen Tina Maze und Anna Fenninger nicht anders", sagte Gut. Zu Vonn meinte sie abschliessend: "Ich wünsche ihr alles Gute und dass sie rasch wieder ganz gesund wird."

Nachdem der Abfahrts-Weltcup bereits Vonn gehört, können in Jasna auch die Wertungen im Slalom und Riesenslalom entschieden werden. Im "Riesen" liegt die Österreicherin Eva-Maria Brem 32 Punkte vor Viktoria Rebensburg in Front. Im Slalom hat die Schwedin Frida Hansdotter bei ebenfalls noch zwei ausstehenden Rennen deutliche 139 Zähler Vorsprung auf Velez-Zuzulova. Liegen Brem und Hansdotter nach Jasna mehr als 100 Punkte voran, gehört die Kugel vorzeitig ihnen. Zuzulova muss ihr Heimrennen deshalb wohl gewinnen, um angesichts des Rückstands überhaupt weiter im Rennen zu bleiben. Die im Sommer 32 Jahre alt werdende Slalom-Spezialistin aus Bratislava ist im Jahr des bisher letzten Jasna-Weltcuprennens (1984) auf die Welt gekommen. Auf diese grosse Heim-Show hat sie laut eigenen Worten "mein ganzes Leben lang gewartet".

Auch diese Show geht allerdings nicht ganz friktionsfrei in Szene. Mit einem ironischen Posting kritisierte Velez-Zuzulova kürzliche Personaländerungen im Slowakischen Skiverband sowie dessen Präsident Frantisek Repka. Zuzulovas Karriere wäre wegen eines Streits mit dem Verband schon vor einigen Jahren fast vorzeitig zu Ende gewesen. Heute lebt und trainiert sie in Frankreich und fährt in der Form ihres Lebens. Als sie beide Flachau-Slaloms gewann, kündigte sie an, nach Karriereende in einem Buch abrechnen zu wollen.

Wenigstens zwischen Brem und Verfolgerin Rebensburg geht es freundlicher zu, obwohl die beiden um die Riesenslalom-Kugel fighten. "Wir verstehen uns gut, das ist heutzutage nicht selbstverständlich", sagte die Deutsche. Die führende Österreicherin kämpft um ihr erstes Kristall überhaupt und gab sich  für Samstag kämpferisch: "Ich bin extrem gut in Form und total fit. So wie man es sich wünscht."

Besonders steil ist die Jasna-Rennpiste nicht. "Deshalb muss man vom ersten Tor weg um jeden Zentimeter pushen, um Speed aufzubauen", erklärte Gut. Steilhang-Spezialistin Brem würde den Sack natürlich trotz der langen Pause seit dem letzten Renen Ende Jänner in Maribor gerne vorzeitig zumachen. "Dazu muss ich aber mein bestes Skifahren abrufen", betonte die Tirolerin. Zu Vonn meinte Brem: "Man hat heuer in Extremform gesehen, wie nahe Erfolg und Verletzung beieinander liegen."
Foto: Keystone