Marcel Hirscher und die "Herausforderung Abfahrt"

Marcel Hirscher und die
29.02.2016 18:02:31 | skionline.ch, Peter Gerber
APA. Marcel Hirscher hat nach seinem dritten Podestplatz im Super-G Blut geleckt. Der überragende Techniker, der am Samstag in Hinterstoder Dritter war, will in Zukunft noch mehr Speed-Rennen fahren. Auch Abfahrten.

"Es gibt noch so viele Herausforderungen", sagte Marcel Hirscher, der am Mittwoch seinen 27. Geburtstag feiert. "Es wäre das Verrückteste, einen Super-G und eine Abfahrt zu gewinnen", hatte Hirscher Ende Oktober vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden gesagt. Das erste Ziel konnte er bereits am 5. Dezember abhaken, als er in Beaver Creek als Erster abschwang und nicht mehr eingeholt wurde. Am Samstag war er hinter dem Norweger Aleksander Aamodt Kilde und dem überraschenden Zweiten Bostjan Kline aus Slowenien beim Heimrennen in Hinterstoder Dritter. Zudem war er 2012 beim Weltcup-Finale in Schladming im Super-G auf den dritten Platz gefahren.

"Dass ich's kann im Super-G, das habe ich mit zwei Podestplätzen und einem Sieg gezeigt, glaube ich. Vor allem bei dem geringen Aufwand, den ich dafür aufwenden kann", sagte Hirscher, der sich vor seinen Speed-Exkursionen immer betont zurückhaltend geäussert hat. In Oberösterreich klang das weitaus selbstbewusster: "Ich würde nicht sagen, dass ich das meiste Talent für die Disziplin mitbringe, aber sicherlich nicht weniger als für andere Disziplinen."

Die grösste nervliche Anspannung verursache die Besichtigung in der Früh. "Wenn man dann so merkt, wie man nervös wird, und man es nicht einschätzen kann, wie alles zum Fahren geht. Das ist das Schlimmste", erläuterte Hirscher. Darum sei der Faktor Routine in den Speed-Disziplinen so immens wichtig. In Zukunft möchte er sich auch auf ausgewählten Abfahrtsstrecken hinunterstürzen. In der kommenden Saison sollte das Thema jedoch nicht akut werden, wobei sich Hirscher nicht definitiv festlegen wollte. "Ich bin im Hier und Jetzt. Ich möchte jetzt die Saison fertigfahren und mir dann generell Gedanken machen", meinte der Noch-26-Jährige. Herausforderungen gebe es noch genug. Olympisches Gold wäre zum Beispiel eine solche - mit oder ohne fünftem Gesamtweltcup-Sieg. "Da wird mir sicher nicht fad."

Für heuer hat Hirscher das Kapitel Speed allerdings erledigt - wenngleich er sich auch da eine kleine Hintertüre offen lässt. "Ich werde niemals Möglichkeiten im Vorfeld komplett ausschließen. Fix ist gar nichts. Wenn ich jetzt dreimal einen Nuller mache, was nicht passiert, dann fliege ich nach Kvitfjell, weil dann habe ich eh keine Belastung gehabt", erklärte er. "Es gibt immer einen Worst Case, wo man dann die Pläne über Bord werfen muss." In Kvitfjell könnte er einen weiteren Super-G bestreiten.

Über seine Geburtstagspläne wollte sich Hirscher nicht äussern. "Da bin ich arm. Ich habe praktisch nie meinen Geburtstag gefeiert, weil immer Rennen sind." Am Donnerstag reist der Ski-Nomade weiter nach Kranjska Gora, wo er am Wochenende zwei Riesenslaloms (Freitag und Samstag) sowie einen Slalom (Sonntag) bestreitet. Hirscher könnte dort seine fünfte große Kugel endgültig perfekt machen. Hält er in Slowenien seinen Vorsprung von derzeit 283 Punkten auf Henrik Kristoffersen, ist ihm das Kristall beim Finale in St. Moritz selbst rechnerisch nicht mehr zu nehmen.
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