Hannes Reichelts "Warnschuss" an die Adresse der FiS

Hannes Reichelts
28.02.2016 11:19:21 | skionline.ch, Peter Gerber
APA. Athletensprecher Hannes Reichelt macht sich Sorgen um die medizinische Versorgung der Fahrer im Weltcup. Im Falle von Verletzungen funktioniere das Rettungsprotokoll nicht überall, sagt der Österreicher.

Auslöser die von Hannes Reichelt geäusserten Bedenken war in Jeongseon der Italiener Matteo Marsaglia, der offenbar lange auf eine angemessene Behandlung wartete. "Die FIS muss sich Gedanken machen", kritisierte der Salzburger. Marsaglia zog sich bei seinem heftigen Sturz im Super-G in Südkorea am 7. Februar gleich mehrere Blessuren zu. Unter anderem erlitt der 30-Jährige Adduktorenverletzungen und Prellungen. Sofern
kein medizinisches Wunder passiert, wird er heuer kein Rennen mehr bestreiten können.

Woran sich Reichelt stösst, ist das Prozedere in dem Fall. "Der Marsaglia ist mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus transportiert worden. Nachher hat er eine Stunde in der Notaufnahme warten müssen, bis ein Arzt gekommen ist, und dann ist er von einem Arzt behandelt worden, der nicht einmal Englisch kann", berichtete er. Marsaglias Mannschaftskollege Dominik Paris habe ihn davon unterrichtet, danach redete Reichelt der FIS-Rennleitung um Chef-Renndirektor Markus Waldner ins Gewissen.

"Für das bin ich zuständig, dass ich solche Sachen, die nicht funktionieren, weiterleite. Es war ein bisschen ein Warnschuss an die FIS, dass das nicht vergessen wird", erklärte er. Der Vorfall erinnert an die Situation nach dem Crash von Markus Dürager in Lake Louise: Reichelts ÖSV-Teamkollege war Ende November stundenlang herumgefahren worden, ehe er in Calgary im Krankenhaus landete, wo sein Unterschenkelbruch schließlich behandelt werden konnte. In Hinterstoder bekamen die Teams nun einen umfangreichen "Medical Guide" ausgehändigt, in dem das Protokoll samt allen Eventualitäten im Fall von Verletzungen detailreich erklärt wird. "Wir machen bei diesem Thema keine Kompromisse. Zeigt Hannes diese Unterlagen", liess Waldner Reichelt bei der Mannschaftsführersitzung ausrichten, der damit aber nicht restlos zufrieden ist.

"Sie sagen, das Protokoll war gut. Aber das Protokoll hilft nicht, wenn es in der Praxis nicht ordentlich umgesetzt wird. Ein Guide, das hätte wahrscheinlich in Korea auch gepasst, nur in der Praxis muss es halt dementsprechend ausgeführt werden", monierte der 35-Jährige, der sich selbst bei seinem Sturz in Kitzbühel eine Knochenprellung zugezogen hatte. "Kitzbühel ist ein gutes Beispiel, wie alles ablaufen soll. Die Österreich-Rennen oder generell die europäischen Rennen sind auf dem Sektor sehr vorbildlich. Aber wir wissen, Lake Louise passt nicht, Beaver Creek ist fraglich und Kvitfjell ist auch immer ein großes Fragezeichen", formulierte Reichelt sein Unbehagen. Nach einem in dem norwegischen Weltcup-Ort erlittenen Bruch hatte im März 2008 Matthias Lanzinger einen Unterschenkel verloren.

"Die FIS ist dafür zuständig, dass wir Läufer geschützt sind. Wenn wir uns um das auch noch sorgen müssen, kommen wir nicht mehr zum Rennfahren", sagte Reichelt, der in dieser Angelegenheit weiter "lästig" sein will. "Wir sollten nicht unser Leben da herunter riskieren, wenn wir im Hinterkopf wissen, dass die medizinische Versorgung nicht ganz passt."
Foto: Agence Zoom