Niels Hintermann und das Gepäck-Chaos von Sotschi

Niels Hintermann und das Gepäck-Chaos von Sotschi
25.02.2016 11:17:21 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Morgen beginnt in Sotschi die Junioren-WM mit dem Abfahrtstraining.  Medaillenhoffnung Niels Hintermann über ein Gepäckchaos, Militärpräsenz, starke Konkurrenz und seine Erwartungen.

Im 16-köpfigen Schweizer Aufgebot für die Junioren-WM gehört der 20-jährige Niels Hintermann zu den „Routiniers“. Es ist nach Hafjell 2015 seine zweite WM-Teilnahme und eine WM-Medaille hat er auch schon in der Tasche: vor einem Jahr gewann der Zürcher Abfahrts-Bronze. Damit ist Hintermann neben dem 2015 mit Gold (Kombi), Silber (Riesenslalom) und Bronze (Super-G) dekorierten Loïc Meillard der einzige im Swiss-Ski-Team von Sotschi, der bereits eine Auszeichnung in Form des FIS-Schneekristalls hat.

Niels Hintermann, Sie sind gestern (24. Februar) nach Sotschi angereist. Eine Reise mit Hindernissen, wie ich gehört habe...
Niels Hintermann: „Eigentlich hat alles geklappt, nur in Sotschi ist dann das Gepäck-Chaos ausgebrochen. Wir sind um 16.30 gelandet, haben den Flughafen erst um etwa 19 Uhr verlassen und bis alle ihr Material im Hotelzimmer hatten dauerte es bis zirka 22.30 Uhr. Das war etwas mühsam.“

Und das im Olympia-erprobten Sotschi? Was ist denn schief gelaufen?
„Wir waren mit einem Charterflug der FIS unterwegs. Jede Nation hatte eigene Gepäck-Container im Flugzeug. Nach der Landung wurde in Sotschi aber sämtliches Gepäck kreuz und quer aus den Containern ausgeladen und damit entstand ein riesiges Chaos. Bis wieder alles sortiert war und jede und jeder seine persönlichen Dinge und die Ausrüstung im Hotel hatte, dauerte es seine Zeit.“

Russland ist für Sie eine neue Reisedestination und ein neues Wettkampf-Land. Was sind Ihre ersten Eindrücke – abgesehen vom Gepäck-Wirr-Warr?
„Das Hotel liegt praktisch an der Piste, der Lift ist quasi hinter dem Haus. Das ist cool, weil so die Wege kurz werden. Aber der wirklich ganz erste Eindruck ist: überall Militär. Die Sicherheit wird hier gross geschrieben. Die Präsenz des Militärs ist enorm. Sicherheits-Checks, viele Offizielle – selbst im Weltcup habe ich so etwas noch nie erlebt. Auch kein Vergleich zu Hafjell vor einem Jahr, wo der Sicherheitsaspekt in keiner Art und Weise so dominierend gewesen ist.“

Das für Donnerstag geplant gewesene Abfahrtstraining musste gestrichen werden, warum?
„Es regnet in Strömen.“

Was steht als Alternative auf dem Programm?
„Ich habe am Morgen eine Jogging-Einheit absolviert. Der Nachmittag ist noch offen, vielleicht eine spielerische Einheit. Ein intensives Kondi-Training wird es heute kaum geben.“

Nach der langen Anreise vielleicht gar nicht schlecht, wenn sie einen Tag Ruhe haben, oder?
„Nein, ich hätte lieber ein Abfahrtstraining gehabt. Jetzt gibt es wieder nur ein Training. Weil es für die meisten Fahrerinnen und Fahrer eine neue Stecke sein wird, wären zwei Trainings sicher besser gewesen.“

Sie sind ja was die Junioren-WM betrifft, schon mit Routine ausgestattet. Wenn es dann am Samstag mit der Abfahrt losgeht steigen Sie in Ihre zweite Junioren-WM...
„ ... sicher, aber solche Anlässe sind immer wieder etwas Neues. Ein neues Land, unbekannte Pisten, viele starke Gegner.“

Es geht mit der Abfahrt, ihrer potenziell stärksten Disziplin, los. Welche Gegner werden Ihnen den Weg auf das Podest schwer machen?
„Da gibt es so viele, die Startliste ist gespickt mit starken Fahrern. Viele Nationen haben auch Athleten am Start, die schon einige Weltcup-Einsätze hinter sich haben. Ich erwarte ein sehr hochstehendes Rennen und einen harten Kampf um die Medaillen.“

In Hafjell haben Sie Bronze in der Abfahrt gewinnen können. Ist diese Medaille nun Ansporn oder löst das bei Ihnen persönlich eine höhere Erwartungshaltung an ihr Abschneiden bei der WM 2016 aus?
„Das ist jetzt schwierig zu beantworten. Auf der einen Seite würde ich natürlich gerne wieder eine Medaille gewinnen und mit diesem Ziel steigt man auch in eine WM. Andererseits aber darf ich auch sagen: ich habe schon eine. Ob das zusätzliche Sicherheit gibt? Ich denke ich nicht. Aber auch keinen zusätzlichen Druck. Egal ob Junioren-WM, Weltcup-, Europacup-, oder FIS-Rennen ¬ – meine Aufgabe ist es, in jedem Wettkampf die bestmögliche Leistung zu bringen. Was dann dabei herausschaut, bei einer WM vielleicht eine Medaille, das muss man dann sehen.“


Das Programm. Frauen. 26. Februar. Abfahrtstraining. – 27. Februar. Abfahrt. – 28. Februar. Super-G. – 1. März. Alpine Kombination. – 2. März. Team-Event. – 3. März. Slalom. – 4. März. Riesenslalom. – Männer. 26. Februar. Abfahrtstraining. – 27. Februar. Abfahrt. – 29. Februar. Super-G. – 1. März. Alpine Kombination. – 2. März. Team-Event. – 3. März. Slalom. – 5. März. Riesenslalom


Die selektionierten Athletinnen: Melanie Meillard (SC Hérémencia), Aline Danioth (SC Gotthard Andermatt), Beatrice Scalvedi (SC Greina Campo Blenio), Elena Stoffel (SSC Ginals-Unterbäch), Jasmina Suter (SC Stoos), Vanessa Kasper (SC Alpina St. Moritz), Lara Zürcher (SC Feusisberg), Luana Flütsch (SC St. Antönien). – Die selektionierten Athleten: Loic Meillard (SC Hérémencia), Sandro Simonet (SC Lenzerheide), Niels Hintermann (SC Hausen am Albis), Marco Odermatt (SC Hergiswil), Noel Von Grünigen (SC Schönried), Ian Gut (SC La Punt Chamues), Nef Tanguy (Ski-Club 88), Marco Kohler (SAK Haslital Brienz).
 
Fotos: Agence Zoom / Swiss Ski