Ondrej Bank – eine Figur verlässt den Weltcup

Ondrej Bank – eine Figur verlässt den Weltcup
22.02.2016 17:51:57 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Der Skiweltcup verliert eine Figur. Ondrej Bank, immer wieder von Verletzungen geplagt, kehrt nicht mehr in den Weltcup zurück. Sein letztes Rennen war die Lauberhorn-Abfahrt von Wengen 2016.

In Adelboden hat die Weltcup-Karriere von Ondrej Bank am 9. Januar 2001 begonnen, in Wengen ist sie am 16. Januar 2015 zu Ende gegangen. Nach seinem heftigen Sturz in der Kombi-Abfahrt der WM von Vail/Beaver Creek (siehe Video unten) wurde schon darüber spekuliert: Kommt er – ein weiteres Mal – von einer schweren Verletzung zurück oder ist dies nun das Karriereende von Ondrej Bank. Der Tscheche, auf den der abgedroschene Begriff des Stehaufmännchens zutrifft, kam zurück und startete mit der Abfahrt von Lake Louise in die Weltcup-Saison. Jetzt aber ist Schluss. Wie tschechische Medien vermelden, wird Bank, der nach der Lauberhorn-Abfahrt den Winter 2015/16 hat abbrechen müssen, nach 182 Rennen auf höchster Stufe seine Karriere beenden.

Wie www.rozhlas.cz meldet habe Bank sehr mit sich ringen müssen, bis der Entscheid festgestanden habe. "Am Freitag war ich bereit für den Rücktritt. Aber als ich sah, das Jaromir Jagr zwei Tore schiessen kann dachte ich, dass ich mit 35 Jahren auch noch gar nicht so ungeschickt ausschaue", sagte Bank in seiner Heimat anlässlich einer Pressekonferenz. Jagr – bereits 44-jährig – ist kürzlich mit seinen 2 Toren beim 3:1 seiner Florida Panthers gegen die Winnipeg Jets zum drittbesten Torschützen (742 Treffer) der NHL-Geschichte avanciert. Das Ziel sei gewesen, die ganze Saison zu fahren. "Und nun endet es nach drei Vierteln", wird Bank zitiert. Es seien die gesundheitlichen Nachwehen des Sturzes von Beaver Creek und des Zwischenfalls beim Training in Wengen, die letztlich zum Karrierenende des 35 Jahre alten Bank geführt haben. Wegen starker Schmerzen musste er den Wettkampf-Winter 2015/16 unterbrechen und sich untersuchen lassen. Dabei habe man beim Knie eine weitere Knochenverletzung entdeckt, schreibt rozhlas.cz. Er habe oft von Dritten gehört, dass er, wenn er all die schweren Verletzungenin der Karriere nicht gehabt hätte, einer der besten Skifahrer gewesen wäre. "Das sind aber alles nur wenn un  wäre...", soll Bank bei der Pressekonferenz traurig wirkend gesagt haben.

Kombi-Spezialist Bank, der nach schweren Verletzungen (Kieferbruch, doppelter Unterschenkelbruch, Bänderrisse im Knie, Schulterverletzung, Gehirnerschütterung) immer wieder zurück gekehrt ist, wollte auch diesmal rasch wieder fahren. Der ärztliche Rat indes soll gelautet haben, dass sich der Rennfahrer noch mindestens einen weiteren Monat schonen soll um nicht den Knorpel und das Knie noch weiter zu schädigen.  "Schon vorher habe ich entschieden, dass dies meine letzte Saison sein wird, jetzt muss ich halt vorzeitig aufhören", wird Bank (sinngemäss übersetzt) zitiert. Zum Entscheid beigetragen habe auch der Umstand, dass es für ihn im kommenden Winter schwierig geworden wäre, mit konkurrenzfähigen Startnummern in die Abfahrten steigen zu können. Zudem, so die tschechischen Medien, werde Bank zum zweiten Mal Vater.

Erst kürzlich ist das Bild des österreichischen Fotografen Christian Walgram, welches Bank beim Sturz bei der WM von Beaver Creek zeigt, mit dem ersten Preis beim World Press Photo Award ausgezeichnet worden (skionline.ch berichtete).

Im Weltcup schaffte es Bank in der Super-Kombi von Beaver Creek (2007) und vor gut einem Jahr in der alpinen Kombination von Kitzbühel jeweils als Dritter auf das Podest. Insgesamt 12 Mal (ein Mal im Slalom, ein Mal in der Abfahrt von Wengen, ein Mal im Riesenslalom und 9 Mal in einem Kombi-Wettbewerb) schaffte es der 13fache tschechische Meister in die Top-10. Für sein Land bestritt er die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City (2002), Turin (2006), Vancouver (2010) und Sotschi (2014) und erreichte als beste Klassierung einen 5. Rang im Riesenslalom (Sotschi). Er nahm an den Weltmeisterschaften 2001 (St. Anton), 2003 (St. Moritz), 2005 (Bormio), 2007 (Are), 2011 (Garmisch), 2013 (Schladming) und 2015 (Beaver Creek) teil. Er war einer der letzten, der in sämtlichen Weltcup-Disziplinen an den Start gegangen und der auch in allen vier Diesziplinen in die Top-10 gefahren ist. Eine Legende tritt zurück.


Foto: Agence Zoom