Lindsey Vonn: "Ich bin nicht perfekt"

Lindsey Vonn:
08.02.2016 15:25:33 | skionline.ch, Peter Gerber
APA. So schnell kann es manchmal doch gehen. Hatte Lindsey Vonn am Samstag nach ihrem überlegenen Abfahrtssieg in Garmisch noch unantastbar gewirkt, musste sie sich 24 Stunden später hinter Lara Gut und Viktoria Rebensburg anstellen. "Ich habe immer gewusst, dass ich nicht unschlagbar bin", musste sich Vonn am Sonntag regelrecht rechtfertigen. "Ich bin keine Maschine, bin nicht perfekt."

Eineinhalb Sekunden war Lindsey Vonn am Samstag schneller als die zweitplatzierte Fabienne Suter , worüber die Konkurrenz nur entgeistert den Kopf schütteln konnte. "Sie kann sich im Moment nicht einmal selbst schlagen", hatte Elisabeth Görgl gemeint, die mit 2,61 Sekunden Rückstand auf den 13. Rang gefahren war. Doch tags darauf sah die Sache anders aus. Vonn wurde hinter Lara Gut, die ihren 17. Sieg im Weltcup feierte, und Lokalmatadorin Rebensburg nur Dritte. Bei diffuser Sicht und auf weichem Schnee wollte sie nicht alles riskieren, meinte sie im Anschluss an das Rennen. "Ich bin zu vorsichtig gefahren. Aber ich war schon zweimal schwer verletzt und hatte kein gutes Gefühl", erklärte die US-Amerikanerin, die erstmals in dieser Saison einen Speedbewerb nicht als Siegerin beendete, sofern sie keinen Torfehler - wie in Val d'Isere - beging.

0,23 Sekunden fehlten Vonn am Ende auf Gut. Ohne ihren Fehler imuntersten Teil der Kandahar-Strecke, als es ihr plötzlich einen Ski in die Höhe riss, wäre der Rückstand mit Sicherheit kleiner ausgefallen. Und vielleicht hätte Vonn Gut dann sogar noch überholt. Traurig war die 31-Jährige deswegen aber nicht. "Ein dritter Platz ist auch nicht so schlecht." Gut beteuerte, sie hatte Vonn immer in Reichweite gewähnt. "Ich habe gewusst, dass Lindsey nicht unschlagbar ist. Heute habe ich alles perfekt erwischt", sagte die Tessinerin, die nach dem Super-G-Sieg ihres engeren Landsmannes Carlo Janka in Jeongseon quasi schon in Jubelstimmung am Start gestanden war. "Da war in letzter Zeit viel Unruhe rund um das Team. Es war wichtig, dass sie auch einmal gewonnen haben."

Gesamtweltcup-Leaderin Vonn hat nach dem Garmisch-Wochenende nun .060 Punkte auf dem Konto, Gut ist ihr mit 973 auf den Fersen. Rebensburg hat 820 Punkte. "Das könnte jetzt noch ein Dreikampf werden", bemerkte Gut über die Fahrerin der Stunde, die nach zwei Riesenslalom-Siegen in Folge auch bei ihren Heimrennen als Dritte bzw. Zweite zweimal auf das Podest fuhr. Sie selbst wolle sich durch Punkte-Planspiele nicht aus der Ruhe bringen lassen. "Rechnen sollen die Medien", meinte Gut, die noch auf ihre erste grosse Kristallkugelwartet.

Nach den zwei Rennen in Bayern stehen für die Frauen am kommenden Wochenende in Crans Montana eine Abfahrt und eine Kombination sowie am Montag ein Slalom (Ersatz für Maribor) auf dem Programm. Vonn stapelte bereits vor dem Trip in die Schweiz tief: "Die Piste ist nicht ganz das, was ich mag."
Foto: Keystone