Die Snowboard-Weltmeisterin vor dem Weltcup-Debut

Die Snowboard-Weltmeisterin vor dem Weltcup-Debut
06.02.2016 05:05:00 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Snowboard-Weltmeisterin Ester Ledecka aus Tschechien kommt heute in Garmisch-Partenkirchen zu ihren Weltcup-Debut im alpinen Skisport.

Sie wird in Garmisch mit Nummer 42 ins Rennen steigen und verdient besondere Beachtung. Ester Ledecka stammt aus Prag und ist Weltmeisterin – im Snowboard. 2015 war es, als die 20-Jährige vom Skiklub Dukla Liberec bei der Snowboard-WM in Lachtal (Österreich) vor Olympiasiegerin Julia Dujmovits den Titel im Parallel-Slalom gewinnen konnte. Und erst am 23. Januar dieses Jahres gewann Snowboarderin Ledecka den Weltcup-Parallel-Riesenslalom von Rogla (Slowenien). Ein breites Brett an den Füssen oder zwei schmale Latten – egal, denn in Garmisch wird aus der Enkelin des 1972 Eishockey-Weltmeister gewordenen Jan Klapac wieder eine Skirennfahrerin.

Dieses sportliche "Doppelleben" möchte Ledecka weiter leben und bei den Olympischen Winterspielen 2018 so richtig ausleben. "Das ist mein grosser Traum", sagte die Pragerin gegenüber www.denik.cz. Sie werde während der Qualifikationsphase versuchen, sich in beiden Disziplinen für Südkorea zu empfehlen. Sie erwartet, dass ihr das im Snowboard einfacher gelingen werde als im Skisport. Auch deshalb hat Ledecka im vergangenen Herbst einiges an Zeit und Geld in das Ski-Training investiert und sich auch Tipps von Ondrej Bank oder Sarka Strachova geholt. Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi verhinderten eine in der Vorbereitung auf den Grossanlass erlittene Rückenverletzung und die Haltung des nationalen Olympischen Komitees Ledeckas Start in beiden Sportarten. Letztlich bestritt die Tschechin als Medaillenhoffnung den Parallel-Slalom und den Parallel-Riesenslalom im Snowboard und klassierte sich als Sechste respektive Siebte.

Im wenig aussagekräftigen Abfahrtstraining von Garmisch-Partenkirchen hat Ledecka am Donnerstag ihre Abfahrts-Qualitäten auf höchster Stufe unter Beweis gestellt. Mit Startnummer 50 erreichte sie eine Zeit, die für den 20. Rang ausreichend war. Wirklich überraschend kommt dieses Ergebnis nicht. Nachdem Ledecka im September in El Colorado (Chile) bei den Rennen des Südamerika-Cups zur Seriensiegerin avancierte und sechs Rennen hintereinander gewinnen konnte, tauchte die Tschechin im Januar auch im Europacup auf. In Altenmarkt-Zauchensee gelang ihr als Bestresultat in der Abfahrt ein 8. Rang.

Ledekas Trainer attestiert der Athletin Ehrgeiz, Hartnäckigkeit und Können. Dass sie diese Eigenschaften sowohl im Skifahren wie im Snowboard-Sport an den Tag legt, müsse er akzeptieren. Bei Ski-Ausrüster Atomic ist man glücklich, dass man die Tschechin unter Vertrag hat. "Ester Ledecka fährt wirklich gut Ski und hat extrem gute Fitness-Werte", sagte Atomic-Rennchef Christian Höflehner im vergangenen September gegenüber skionline.ch. Derzeit verdient sie mit Snowboarden jenes Geld, das sie in den Skisport investiert. Im Frühjahr/Sommer, wenn der Wintersport ruht, will die Tschechin ein Wirtschafts-Studium beginnen. Langweilig wird Ester Ledecka also nach dem winterlichen "Doppelleben" auch in den Sommermonaten nicht.
 
Foto: Facebook / Ledecka

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