Südkorea – dort, wo die Rennfahrer "Spieler" heissen

Südkorea – dort, wo die Rennfahrer
05.02.2016 11:41:27 | skionline.ch, Peter Gerber
APA. Sie nennen Rennfahrer "Spieler", haben noch nie von Kjetil Jansrud oder Hannes Reichelt gehört und fragen: "Was ist Beaver Creek?" Aber bis Olympia in zwei Jahren ist noch Zeit, sich Wissen anzueignen. An Begeisterungsfähigkeit mangelt es den südkoreanischen Journalisten nicht, in grossen Trauben hängen sie den Athleten in Jeongseon an den Lippen und lauschen den Geheimnissen des Skirennsports.

"I am a Ski-Player", erfand der Norweger Jansrud schmunzelnd kurzerhand eine neue Berufsbezeichnung für sich. "Sie haben nicht viel verstanden, sobald ich einen technischen Begriff wie Gleitstück wähle, blicken sie ganz erstaunt", erzählte der Franzose Adrien Theaux, der wie alle viel Geduld mit den lokalen Medien hat. Das mit den Abfahrtstrainings vor den Bewerben leuchtete auch nicht allen Journalisten ein. "Wie war Ihr Rennen?", war die Standardfrage Nummer eins.

"Es hat hier schon Weltcuprennen gegeben. Mag sein, dass es für sie eine andere Sportart ist. Aber ich glaube, dass es ihnen ziemlich taugt, wenn wir da runterfahren. Wenn sie eine Freude haben, freut mich das auch", sagte der Oberösterreicher Vincent Kriechmayr. Die letzten Weltcuprennen liegen zehn Jahre zurück, es waren technische Bewerbe in Yongpyong, für die Speeddisziplinen ist es Premiere.

In der FIS-Punkteliste sind in Abfahrt und Super-G nur wenige Fahrer aus Südkorea aufgeführt, besser vertreten ist das Land in den technischen Disziplinen. "Wir haben nicht viele Athleten. Skifahren ist in Südkorea kein populärer Sport", sagte Choi Jungseok. Als Vorfahrer sind beim olympischen Trestevent und Weltcup aber sechs im Einsatz.

Choi ist noch recht neu bei "The Chosunilbo", der ältesten Tageszeitung in Südkorea mit der landesweit größten Auflage. Neben seinen Spezialgebieten Baseball, Volleyball und Sportpolitik darf er sich seit Januar auch um Ski und Snowboard kümmern. "Ich soll dann auch von den Olympischen Spielen 2018 berichten. Ich habe mich gut vorbereitet, ich kenne die Disziplinen Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Slalom und die Regeln." Bei den Kenntnissen über die Sportler happert es noch ein bisschen, aber er hat bisher in Jeongseon bereits mit Jansrud, Theaux, dem Kanadier Benjamin Thomsen und dem US-Amerikaner Travis Ganong gesprochen. Freilich muss er die Namen in seinem Notizblock nachblättern.

Auf die Frage, ob er einen österreichischen oder schweizerischen Fahrer kennt, meinte Choi: "Marcel, Marcel, Marcel......... Hirscher!", fiel ihm nach einigem Überlegen ein. Und woher? "Ich habe das mit der Drohne im Internet gesehen", sprach er den Vorfall beim Nachtslalom in Madonna di Campiglio vor Weihnachten an. Überhaupt besorgt er sich viele Informationen aus dem World Wide Web, da fiel ihm kürzlich Kitzbühel als ein "bedeutender Ort" auf, die Rennen verfolgte er allerdings nicht.

Normalerweise bekommt er auch kaum Platz in seinem Blatt für Ski-Berichterstattung, um das zu ändern, müssten sich koreanische Athleten wieder in den Vordergrund spielen, erzählte er. In der Weltcupwoche ist das anders, fast eine Grossformatseite füllt er mit Berichten und Interviews. Hauptsächlich interessiert sich Choi dafür, wie die Athleten und ausländischen Medien die Strecke finden und wie ihnen das Alpinresort in Jeongseon gefällt. Die Rückmeldungen seien durchwegs positiv, freut er sich. Zu leuchten beginnen seine Augen bei Lindsey Vonn. "Sie ist sehr berühmt in Korea, seit sie mit dem Golfer Tiger Woods zusammen war, kennt man sie. Und sie ist sehr attraktiv. Mittlerweile wird auch über ihre Rekorde geschrieben." Die Popularität der Amerikanerin in dem asiatischen Land war wohl auch ein Mitgrund, warum man sie zur Ehrenbotschafterin der Winterspiele machte.

Choi macht sein erster Ausflug ins Ski-Fach Spass. Selbst will er die Brettln aber nicht anschnallen. "Das schaut so gefährlich aus. Da bräuchte ich viel Übung", meinte er lachend.
Foto: Agence Zoom