Kurz, aber wenig knackig -– Abfahrt scheidet Geister

Kurz, aber wenig knackig -– Abfahrt scheidet Geister
04.02.2016 12:20:15 | skionline.ch, Peter Gerber
APA. Erstmals in der Geschichte wird am Samstag in Südkorea eine Abfahrt gefahren (4 Uhr MEZ), die Männer testen beim Weltcup in Jeongseon die Olympiastrecke von Pyeongchang 2018. Kurz, aber nicht knackig war der Tenor nach dem Training, die Gefühlvollen sind gefragt. "Langweilig", schimpfte Christof Innerhofer. "Wir müssen alles fahren können", konterte Hannes Reichelt.

Nach den wegen schwierigen Pisten- und Sichtverhältnissen sehr fordernden Abfahrten in Santa Caterina, Wengen, Kitzbühel und Garmisch Partenkirchen fanden die Speedfahrer in Südkorea bei kaltem und sonnigem Winterwetter eine griffig präparierte und nicht sehr steile, aber mit vielen Wellen, Kurven und Sprüngen versehene Aufgabe vor. "Da kann ich das Gefühl auspacken. Für mich war es ein richtiges Genuss-Skifahren", schwärmte Romed Baumann, der als Zweiter des Trainings nur 0,13 Sekunden Rückstand auf Kjetil Jansrud hatte. Er habe sich vom ersten Freien Fahren an "auf dem Hügel" wohlgefühlt, meinte der Österreicher. Freilich ist es ein Berg, aber der Start liegt nur in 1.370 m Höhe und das Ziel auf 545 m. Die Höhendifferenz beträgt nur 825 m, die Kurslänge 2.648. "Hier herunter fühle ich mich wohl. Jetzt wird Video analysiert und geschaut, wo ich noch eine Spur enger fahren kann."

Auch Kjetil Jansrud hatte dank Trainingsbestzeit keinen grossen Grund zur Klage. "Nicht so schwierig, ein bisschen kürzer, langsamer, aber ein brutal schönes Gefühl. Grosse Sprünge, viel Terrain", zählte der Norweger auf. "Normalerweise wäre es für mich besser, wenn es einen technischen Teil gibt und ein Gleitstück, aber ich war mit einem guten Gefühl unterwegs." Nach den zuletzt schwierigen Rennen in Europa freut er sich über die guten Verhältnisse. Auch Hannes Reichelt kann der gänzlich eisfreien Piste viel abgewinnen, auch wenn es damit "einiges mehr an Favoriten" gäbe. "Sie ist schön präpariert, das ist einmal für den Körper gut", sprach der Salzburger für die Athleten mit diversen Blessuren. Wie andere ist auch er der Meinung, dass in Hinblick auf die Olympischen Spiele bei der Kurssetzung noch Potenzial vorhanden ist, damit es etwas schneller wird. "Aber wir müssen alles fahren können, ob es drehend ist oder schnell." Vom Grundcharakter müsste ihm die Abfahrt liegen, erklärte der aktuelle Fünfte der Abfahrtswertung, im Training hatte er jedoch fast zwei Sekunden Rückstand. "Sicher wäre es mir lieber, wenn ich schon schneller wäre, dann bräuchte ich nicht gravierende Änderungen vornehmen. Auf morgen hin muss sicher was passieren."

Christof Innerhofer indes glaubt nicht, dass bei ihm eine grosse Steigerung möglich ist. "Die geschmeidigen Fahrer sind vorne, die anderen haben heute eine draufgekriegt. Logisch kann man das Setup ändern und näher rankommen. Dann werde ich halt Zehnter." Euphorie komme bei ihm nicht auf, die 96 km/h bei der Geschwindigkeitsmessung erinnern ihn an einen Riesenslalom. "Es fehlt die Grundgeschwindigkeit. Es ist brutal griffig. Da brauchst du glattes Eis, dann kann es sein, dass du um fünf Sekunden schneller fährst, das ist dann schon ein Unterschied. Aber mit dem griffigen Schnee ist man langsam."

Der Deutsche Andreas Sander meinte zur von Bernhard Russi konzipierten Strecke: "Die Piste ist in einer Wahnsinnsverfassung. Es ist schon ein bisschen eine andere Abfahrt. Es ist nicht so steil, die sehr stark drehenden Kurven sind mit den Schneeverhältnissen sehr gut zu fahren. Du musst das Gefühl auspacken. Für mich ist es auf jeden Fall eine würdige Olympia-Abfahrt."

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Foto: Agence Zoom