Nicht Kline, Kilde gewinnt die Abfahrt von Garmisch

Nicht Kline, Kilde gewinnt die Abfahrt von Garmisch
30.01.2016 13:13:50 | skionline.ch, Peter Gerber
peg/APA. Als alle mit Überraschungsmann Bostjan Kline als Sieger gerechnet hatten kam ein Norweger: Aleksander Aamodt Kilde gewinnt die Weltcup-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen. Beat Feuz als Dritter wieder auf dem Podest.

Überraschungssieger und Überraschungszweiter bei der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen. Als die Mehrheit mit dem Sieg des Slowenen Bostjan Kline gerechnet und das Schweizer Fernsehen schon zu den Fahrten von Simone Wild und Wendy Holdener nach Maribor umgeschaltet hatte kam ein .... Norweger mit der Bestzeit ins Ziel. Eine unglückliche Aktion des SRF, denn Aleksander Aamodt Kilde, mit Startnummer 30 ins Rennen gegangen, wurde vom Reporter als heisser Kandidat auf einen Spitzenplatz angekündigt. Die Fahrt des Norwegers, der damit die "Nachfolge" des verletzten Aksel Lund Svindal als norwegischer Abfahrssieger antrat, war m Schweizer Fernsehen nicht live zu sehen.

"Ich habe gute Arbeit gemacht, unglaublich", waren des Siegers erste Worte im Ziel. Es sei zwar ziemlich dunkel gewesen, meinte Kilde. "Aber die Piste war ganz ok, auch für Nummer 30." Kilde, Junioren-Weltmeister des Jahres 2013 im Riesenslalom, feiert in Garmisch seinen ersten Weltcup-Sieg und nach dem 3. Platz beim Super-G von Val Gardena im vergangenen Dezember den zweiten Podestplatz auf höchster Stufe.



Der 24 Jahre alte Bostjan Kline vom Skiclub Branik aus Maribor hatte sich noch nie in den Top-10 eines Weltcup-Rennens klassieren können. Bis zum 30. Januar 2016. Der Junioren-Weltmeister des Jahres 2011 in Crans Montana (Abfahrt und Super-G) sah lange wie der Sieger aus, stieg bei der Kandahar-Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen aber letztlich vor Beat Feuz (0,02 Sekunden zurück) "nur" als Zweiter auf das Podest. "Ich habe gewusst, dass das Rennen nicht zu Ende ist. Dass Kilde vorne ist, ist keine Überraschung – er ist ein guter Rennfahrer", so ein mit seinem zweiten Platz zufriedener Stöcki-Fahrer aus Slowenien.



Bester Schweizer wurde – wie schon in Kitzbühel – Comeback-Fahrer Beat Feuz als Dritter. "Ich kann es kaum begreifen, dass ich schon wieder so weit vorne bin", meinte Feuz zu seinem Ergebnis. Oben sei er nicht so gut ins Fahren gekommen, aber unten habe seine Fahrt gepasst. "Ich weiss nicht, dort, wo alle andern müde sind, fahrt ich plötzlich schnell", so Feuz gegenüber skionline.ch. Der Emmentaler schnupperte sogar am Sieg und musste nur wegen 24 Hundertstelsekunden auf der dritthöchsten Podeststufe Platz nehmen "Die Strecke hat sich im Vergleich zum Training vom Donnerstag komplett verändert", sagte Feuz im Interview mit dem ORF. "Es ist zwar noch immer Frühlingsschnee, aber heute ist er gefroren. Und das Licht kommt von hinten auf die Piste und macht die Sicht ziemlich blind, du siehst zum Teil die Wellen gar nicht." Angesprochen auf die schnellen Norweger meinte Feuz zu skionline.ch: "Da müssen wir uns etwas überlegen. Die Norweger sind nicht viele, aber wenn einer kommt, dann ist er sofort ganz vorne dabei".

Carlo Janka war während mehr als der Hälfte des Rennens unterwegs zu einer guten Schlusszeit, bis er nach der Einfahrt in den Eishang die Linie komplett verpasst und viel Zeit liegen gelassen hat. "Linienmässig etwas zu viel versucht zu forcieren – und das war halt zu viel", sagte Janka im Ziel. Niels Hintermann kam mit 1,99 Sekunden Verpätung auf den Schnellsten ins Ziel und landete auf dem 31. Platz, zwei Ränge vor Marc Gisin, der 2,09 Sekunden auf die Bestzeit von Aleksander Aadmodt Kilde einbüsste. Ralph Weber verlor 2,89 Sekunden auf den Sieger und blieb ebenso wie Fernando Schmed (36.), Nils Mani (39.) und Urs Kryenbühl (43.) ohne Punkte.

An der selben Stelle, bei der Janka in Schwierigkeiten kam, verpassten Erik Guay und Favorit Hannes Reichelt sowohl die Linie wie dann anschliessend auch ein Tor. "Ich ärgere mich über meine Dummheit, dass ich zu gerade reingefahren bin, obwohl ich wusste, dass man runder fahren soll", so Reichelt. "Aber ich habe gedacht, ich bin langsam, ich habe mich oben nicht gut gefühlt, und deshalb riskiert. Wenn ich jetzt die Zwischenzeiten sehe, dass ich das gar nicht gemusst hätte, ärgere ich mich noch mehr. Da hat Kitzbühel wohl mein Gefühl etwas durcheinandergebracht, schade", sagte Reichelt über die Passage im Eishang, die aber mehreren Problemen bereitete.
Fotos: Agence Zoom / Keystone

Garmisch-Partenkirchen (D). Weltcup-Abfahrt, Männer: 1. Aleksander Aamodt Kilde (No) 1:55,28. 2. Bostjan Kline (Slo) 0,22 zurück. 3. Beat Feuz (Sz) 0,24. 4. Christof Innerhofer (It) 0,25. 4. Adrien Theaux (F) 0,29. 6. Travis Ganong (USA) und Matteo Marsaglia (It) je 0,65. 8. Andrej Sporn (Slo) und Andreas Sander (D) 0,69. 10. Steven Nyman (USA) 0,75. 11. Peter Fill (It) 0,79. 12. Benjamin Thomsen (Ka) 0,83. 13. Dominik Paris (It) 0,84. 14. Dominik Schweiger (Ö) 0,85. 15. David Poisson (F) 0,88. 16. Romed Baumann (Ö) 0,91. 17. Kjetil Jansrud (No) und Andrew Weibrecht (USS) je 0,92. 19. Andreas Romar (Fi) 1,02. 20. Jared Goldberg (USA) 1,22. 21. Manuel Osborne-Paradis (Ka) 1,32. 22. Guillermo Fayed (F) 135. 23. Wiley Maple (USA) 1,44. 24. Maxence Muzaton (F) 1,47. 25. Mattia Casse (It) 1,48. 26. Carlo Janka (Sz) 1,49. 27. Johannes Kröll (Ö) 1,55. 28. Otmar Striedinger (Ö) 1,57. 29. Blaise Giezendanner (F) 1,58. 30. Klaus Kröll (Ö) 1,69. 31. Niels Hintermann (Sz) und Frederic Berthold (Ö) je 1,99. 33. Marc Gisin (Sz) 2,09. – Ferner: 36. Fernando Schmed (Sz) 2,35. 39. Nils Mani (Sz) 2,55. 43. Urs Kryenbühl (Sz) 3,25.   – Ausgeschieden (u.a.): Hannes Reichelt (Ö), Eric Guay (Ka), Johan Clarey (F), Werner Heel (It), Silvano Varettoni (It), Marco Sullivan, Thomas Biesemeyer (beide USA), Bryce Bennett (USA), Valentin Giraud Moine (F), Klaus Brandner (D). – 46 Fahrer klassiert.

Der Weltcup. Abfahrt: 1. Aksel Lund Svindal (No) 436. 2. Peter Fill (It) 315. 3. Adrien Theaux (F) 269.  4. Guillermo Fayed(F) 247. 5. Hannes Reichelt (Ö) 228. 6. Kjetil Jansrud (N0) 227. 7. Carlo Janka (Sz) 218. – Gesamt: 1. Marcel Hirscher (Ö) 969. 2. Aksel Lund Svindal (No) 916. 3. Henrik Kristoffersen (No) 871. 4. Kjetil Jansrud (No) 635. 5. Peter Fill (It) 454.