Henrik Kristoffersen und sein "Alles oder nichts"-Sieg

Henrik Kristoffersen und sein
24.01.2016 17:08:07 | skionline.ch, Peter Gerber
APA. Trotz der 0,83 Sekunden Rückstand zur Halbzeit hat Henrik Kristoffersen in seinem Kopf noch eine Chance gesehen, den Weltcup-Slalom in Kitzbühel zu gewinnen. "Acht Zehntel sind viel, aber mein Topspeed ist so hoch, auch wenn ich Fehler mache", sagte der 21-Jährige nach seinem fünften Saisonsieg im Slalom und dem Triumph im dritten Klassiker nach Adelboden und Wengen en suite.

Nach den Erfolgen in allen drei Wengen-Rennen holte das norwegische Männer-Team auch zwei erste Plätze in den Hahnenkammrennen. Musste jedoch auch gewaltig Ader lassen, denn der noch im Gesamtweltcup führende Super-G-Sieger Aksel Lund Svindal fällt nach seiner beim Abfahrtssturz erlittenen Knieverletzung für die restliche Saison aus. "Das war gestern ein trauriger Tag. Aksel ist ein grosses Idol von mir. Ihn zu verlieren ist sehr traurig für mich. Für ihn ist es schlimm, aber auch für das gesamte Team. Ich kann es aber nicht ändern und muss meine Sache durchziehen", sagte Kristoffersen auf der Pressekonferenz nach dem Slalom.

Das gelang ihm hervorragend. "Ich fahre einfach nur. Es macht so viel Spass", lautet sein Erfolgsrezept. Der zweite Durchgang sei schon ein bisschen "Alles oder Nichts" gewesen, bejahte er eine entsprechende Frage. "Es war am Limit." Gemessen mit seinen zuvor acht Weltcup-Siegen steht Kitzbühel in einer Hinsicht weit oben: "Von Platz zwölf ganz nach vor - das ist einer der eindrucksvollsten Siege für mich selbst."

Zum vierten Mal in diesem Winter verwies Kristoffersen den Salzburger Marcel Hirscher auf den zweiten Rang. Der am Sonntag drittplatzierte - und zur Halbzeit führende - Deutsche Fritz Dopfer sagte zur Dominanz des Duos und ob es zu schlagen sei: "Einmal habe ich es heute schon geschafft. Aber da muss schon extrem viel zusammenpassen. Man muss den Fokus auf sich selber richten." Kristoffersen kassierte mit 70'300 Euro genau so viel Preisgeld wie Abfahrtssieger Peter Fill aus Südtirol. Im Super-G strich Svindal 52.725 ein, in der Kombination der Franzose Alexis Pinturault 45.325. Zum zweiten Mal in Folge blieb das ÖSV-Team ohne Sieg bei den Hahnenkammrennen, letzter Triumphator war Abfahrtssieger Hannes Reichelt 2014, den die Streif am Samstag aber ebenso hart abgeworfen hatte wie Svindal und Georg Streitberger. Insgesamt 87.000 Zuschauer kamen an den drei Renntagen in die Gamsstadt.

Der Ski-Weltcup wird am Dienstag mit dem Slalom-Nightrace in Schladming fortgesetzt. Den letzten Sieg für Rot-Weiß-Rot gab es auf der Planai 2012 durch Hirscher. 2013 fand wegen der anschließenden WM kein Rennen statt, 2014 stahl Jungspund Kristoffersen den Stars mit seinem Premierenerfolg im Weltcup die Show. 2015 gewann vor 42.500 Zuschauern der Russe Alexander Choroschilow, es war ebenfalls sein erster Sieg überhaupt.
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