Klaus Krölls Freude über den Podestplatz: "Best of the rest"

Klaus Krölls Freude über den Podestplatz:
16.01.2016 17:55:41 | skionline.ch, Peter Gerber
APA. Klaus Kröll hat als Dritter in Wengen hinter Aksel Lund Svindal und Hannes Reichelt sein Comeback auf dem Weltcup-Podest gefeiert. "Es ist lange her, ich bin sehr glücklich. Die Erleichterung ist sehr gross, das ist eine wichtige Bestätigung für mich. Die Zuversicht ist zurück", beschrieb der 35-Jährige seine Gefühle.

Auch wenn er noch bessere Sichtverhältnisse als nachkommende Fahrer gehabt hätte, so sei es auch eine richtig gute Fahrt gewesen. "Und ich hatte sogar noch Reserven. Das ist das, was ich drei Jahre lang nicht annähernd gehabt habe. Das taugt mir natürlich voll", sagte Klaus Kröll nach der Abfahrt am Lauberhorn. "Aksel und Hannes sind unglaublich gefahren, sie haben einen grossartigen Job gemacht. I am the best of the rest."

Der Mann aus der Steiermark hatte sich für seine Leistungen in der Saison 2011/2012 die Abfahrtskugel geholt, er legte einen starken Winter nach, stürzte am 14. März 2013 aber beim Weltcup-Final in Lenzerheide und brach sich den linken Oberarm. Auch der Gelenkkopf und der Jochbogen waren betroffen. Wegen Lähmungserscheinungen in der Schultermuskulatur musste er im Oktober 2013 nochmals operiert werden. Pünktlich zum Speed-Auftakt in Kanada am 30. November war er aber einsatzbereit und wurde in der Abfahrt in Lake Louise hinter Dominik Paris (It) Zweiter.

Seitdem hat er den Sprung auf das Stockerl bis Wengen 2016 nicht mehr geschafft, er kam in 31 Weltcuprennen in Abfahrt und Super-G nicht einmal mehr in die Top-10. Viele fragten, warum er sich das noch antut. "Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt, irgendwann interessiert es einen ja selbst auch nicht mehr. Aber ich habe gesagt: 'Gib' nicht auf!' Und ich habe und einen Schritt gemacht, ich war im Training gut dabei, ich habe mich auch gut gefühlt. Nur habe ich es bis jetzt nicht wirklich umsetzen können." Gute Teilzeiten habe er immer wieder gehabt zuletzt, aber den Lauf dann doch noch verhaut. "Ich hatte Passagen drinnen, wo ich nicht hundertprozentig überzeugt war von meinem Können, dann bin ich wieder in dem Modus von den letzten zwei Jahren zurückgekommen. Und bin die Reservelinie gefahren, und die ist nicht die Schnellste. Aber heute habe ich es gut runtergebracht. Ich habe nicht zurückgesteckt, was ich sonst getan habe. Ich habe es laufen lassen und attackiert."

Und nun kämen auch die Rennen, die ihm mehr liegen. "Da reist man mit einem guten Gefühl hin. Kitzbühel ist sicher das schwierigste davon, ich freue mich." In Wengen hatte Kröll das Hundertstel- und Zehntelglück auf seiner Seite, der zehntplatzierte Teamkollege Max Franz lag nur 34/100 hinter ihm. "Die Dichte wird immer enger im Zirkus, genau in dem Bereich, wo ich herumgefahren bin. Da bist gleich zehn Plätze besser, wenn du drei Zehntel schneller gewesen wärst", sprach Kröll etwa Gröden (18.) an. "An der Spitze wird extrem gefahren, aber im Mittelfeld auch extrem stark."

Auch Reichelt freut sich für den gleichaltrigen Teamkollegen. "Ich finde das super, den Klaus haben schon viele abgeschrieben. Sich aus einem Tief so rauszukämpfen, ist beeindruckend. Wenn man so etwas selbst man miterlebt hat, weiß man das sehr zu honorieren. Respekt, er hat sich nicht unterkriegen lassen", meinte der Salzburger. Zumal Kröll in einem Alter sei, wo viele meinen, er könnte es lassen. "Aber er lässt es nicht und kämpft weiter. Coole Sache."
Foto: Agence Zoom