Marlies Raich und ihre liebsten (Sorgen-)Kinder

Marlies Raich und ihre liebsten (Sorgen-)Kinder
12.01.2016 14:35:05 | skionline.ch, Peter Gerber
APA.  Marlies Raich ist auch nach ihrem Rücktritt Stammgast beim Nachtslalom in Flachau, der sich wie geplant immer mehr zum "Schladming der Frauen" entwickelt. Die ehemalige Slalomkönigin und zweifache "Snow Space Queen" präsentierte sich am Dienstag gut gelaunt, obwohl sie aktuell gleich zwei (Sorgen- )Kinder hat. Söhnchen Josef macht die Nächte kurz, Schwester Bernadette Schild kämpft mit der Form.

Der Tages-Ablauf beziehungsweiser jener der Nacht ist bei den Raichs wegen des drei Monate alten Buben gerade sehr abwechslungsreich. "Los
geht es erstmals um Mitternacht, dann um zwei, um vier, um sechs und so weiter", schilderte die Salzburgerin die Situation lachend. Josef ist eigentlich schon der Fünfte in der Familie Raich/Schild ("Bennis Opa war auch ein Josef"). "Ich hatte zwar auch andere Favoriten, letztlich waren wir uns aber schnell einig", berichtete Marlies. Josef sei richtig brav, wachse aber auch viel. "Deshalb ist es manchmal schon anstrengend in der Nacht, es ist aber auch immer schön. Alles ist zum richtigen Zeitpunkt passiert, wir haben alle haben eine Riesengaudi."

Laut der 34-jährigen Mama sieht der Bub eher Benjamin Raich ähnlich. "Er ist schon ziemlich der Papa", sagte die ehemalige Skirennfahrerin, die als Marlies Schild 35 Slalomsiege und damit so viele wie keine andere bisher gefeiert hat. Nochmals auf die Rennpisten zurückzukehren sei keine Option mehr, betonte Frau Raich. "Es war mein Leben, ich habe es immer gerne und mit Leidenschaft gemacht. Ich denke immer gerne zurück. Aber jetzt taugt es mir auch, die Daumen zu drücken. Es war damals wie heute genau das Richtige, ich würde nicht mehr tauschen wollen." Wieder zu fahren, war zuletzt als - scherzhafte - Option genannt worden, um ihrer Schwester auf die Beine zu helfen. Bernadette Schild hatte im Schatten ihrer Schwester mehrere Podestplätze im Slalom geholt, seit deren Rücktritt im September 2014 läuft es bei der mittlerweile 26-Jährigen aber nicht mehr.

"Wir reden natürlich. Aber man darf das auch nicht dramatisieren", winkte Marlies ab. "Vielleicht ist die Situation ja gerade gar nicht schlecht für sie. Wenn sie es wirklich schafft, dieses Tief zu überwinden, hat sie sehr viel gelernt für die Zukunft." Sie drücke Bernadette jedenfalls die Daumen. "Ich hoffe, dass ihr diese Woche in Flachau der Knopf aufgeht. Sie kennt den Hang und weiss, worauf es ankommt." Bernadette Schild hat freilich viel Konkurrenz im eigenen Lager. Denn die blutjunge Truppe mit einem Durchschnittsalter von knapp unter 23 Jahren zeigt nach den Rücktritten praktisch aller ÖSV-Siegfahrerinnen stark auf. "Da sind einige dabei, die richtig Gas geben. Super, dass so viel nachkommt", freut das auch Marlies Raich.

Dass Lindsey Vonn gerade wieder von Rekord zu Rekord eilt, ist ihr natürlich ebenfalls nicht entgangen. Zuletzt hatte die Amerikanerin, die wegen der verpassten Sotschi-Winterspiele bekanntlich bis 2018 weiterfährt und nun auch den Stenmark-Siegrekord (86) angreift, in Zauchensee beide Speed-Rennen gewonnen. Vonn war dabei in der Abfahrt auf den (Männer-) Skiern des derzeit verletzten Olympiasiegers Matthias Mayer unterwegs, wie sie am Montagabend bei "Sport und Talk aus dem Hangar 7" in "Servus-TV" enthüllte. "Ihr Hunger ist ungebrochen", ist auch Marlies Raich überzeugt. "Man sieht, dass Lindsey total in der Mitte ist. Sie kann abschalten, ist dann aber bei den Rennen wieder top da. Es ist einfach super, ihr zuzuschauen."
Foto: Agence Zoom