Michael Walchhofer: "Athleten sollen mündig agieren"

Michael Walchhofer:
11.01.2016 12:00:02 | skionline.ch, Peter Gerber
APA. Ex-Skirennfahrer Michael Walchhofer ist seit seinem Rücktritt hauptberuflich Hotelier in seiner Heimat Zauchensee. Seit 2013 ist der Abfahrtsweltmeister von 2003 Vizepräsident im Österreichischen Skiverband (ÖSV). Nachfolger von Präsident Peter Schröcksnadel zu werden, ist für den 40-Jährigen derzeit aber keine Option.

Der ÖSV "rettet" derzeit viele Weltcuprennen, zwei fanden in Ihrer Heimat Zauchensee statt. Das lokale Organisationskomitee, in welchem Sie vertreten sind, hat in kürzester Zeit eine perfekte Veranstaltung auf die Beine gestellt.
Michael Walchhofer: "Danke. In erster Linie muss man aber den Bergbahnen ein Kompliment aussprechen. Die Investitionen in die Beschneiung
haben es möglich gemacht. Das ganze Skigebiet ist zu 95 Prozent zu befahren. Das ist der Lohn jahrelanger Mühen."

Man kennt Sie immer noch am ehesten als Rennfahrer. Wie sieht denn Ihr Leben heute aus?
"Ich bin zu 100 Prozent Hotelier mit Leidenschaft. Nach meinem Karriereende habe ich nicht gewusst, ob mir das überhaupt taugt. Jetzt macht es Riesenspass und ich kann auch einiges nebenbei machen. Vorträge oder Skitage etwa für Firmen. Für den ÖSV bemühe ich mich, am Laufenden zu bleiben. Ich habe einen wirklich abwechslungsreichen Alltag."

Verstehen Sie den Verband heute besser als in Ihrer Zeit als Rennfahrer?
"Ich bin sicher noch abgestempelt als Rennfahrer, der meint, dass alles einfach geht. Jetzt versteht man Dinge natürlich besser. Dass es etwa nicht immer so leicht ist und dass oft unterschiedlichste Interessen vorhanden sind. Aber unser Präsident Peter Schröcksnadel ist extrem bemüht, jugendlich und agil zu agieren. Das macht es nach wie vor aus, dass wir als Verband in dieser Stärke unterwegs sind."

Hat Sie etwas überrascht, seit Sie ÖSV-Vizepräsident sind?
"Nicht wirklich. Und ich bin auch immer noch der Meinung, die Athleten sollten nach wie vor möglichst mündig agieren. Das Präsidium im Verband gehört ja eh gefordert (lacht). Man muss das aber nicht immer unbedingt über die Medien transportieren. Unser Präsident ist immer offen für den Input der Athleten."

Sie sprechen damit sicher auch die heikle Situation rund um Anna Fenninger an. Waren Sie da involviert?
"Natürlich wurde das auch im Präsidium behandelt. Unser Präsident ist prinzipiell einer, der für die Fahrer alles herausholt. Man kann natürlich trotzdem schimpfen. In dem Fall war er aber der Falsche, auf den man so intensiv hingehaut hat. Bemerkenswert, dass er sich letztlich doch noch auf ein klärendes Gespräch eingelassen hat, obwohl es moralisch gar nicht mehr so einfach war nach dem, was alles passiert ist."

Wie beurteilen Sie die Fenninger-Situation?
"Bei uns ist ein Athlet oder eine Athletin vom Skiverband prinzipiell so gut betreut, dass es ein externer Manager nicht leicht hat. Will er viel Geld verdienen, muss er sich ganz speziell den Haxen ausreissen, damit er eine Berechtigung hat. Das war auch der Knackpunkt. Und diese Aktion mit den Autofirmen war unnötig. Das kleinste Kind versteht, dass das mit Konkurrenzfirmen nicht funktionieren kann."

Es ist aber auch schlecht kommuniziert worden, oder?
"Vielleicht haben sich nicht die richtigen Leute zur richtigen Zeit zusammengesetzt. Es ist sicher auf falscher Ebene kommuniziert worden. Dann hat es sich hochgeschaukelt. Anna ist nicht irgendwer, das wurde natürlich auch von den Medien gepusht und hat auch im Sommer für Schlagzeilen gesorgt. Leider nicht für Positive. Schade, dass sie sich verletzt hat und nun im Winter keine sportlich positiven Schlagzeilen bringen kann."

Ihr neuestes Projekt war, ein leistbares (Familien- ) Hotel hochzuziehen. Wie kommt das an?
"Sehr gut. Wir hatten schon in der ersten Saison eine  grossartige Auslastung. Es scheint, als ob alle auf ein Dreistern-Hotel mit Top-Qualität direkt an der Piste gewartet haben. Wir haben es geradlinig gestaltet, uns angeschaut, was braucht man, um sich wohlzufühlen. In Hotels wird ja oft vieles gar nicht genutzt. Eine Woche pro Person inklusive Skipass ab 700 Euro, das ist ein super Preis."

Präsident Peter Schröcksnadel wird diesen Sommer 75 und wohl nicht mehr allzu lange ÖSV-Präsident sein. Wären Sie ein möglicher Nachfolger?
"Leider ist derzeit eher kein Nachfolger in Sicht. Deshalb hoffen wir, dass er es noch möglichst lange macht. Was mich betrifft, schliesse ich das im Moment aus beruflichen Gründen dezitiert aus. Was in zehn Jahren ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Man sollte sich aber über die Nachfolge Gedanken machen, damit es keinen Schnitt gibt, sondern einen fliessenden Übergang."
Foto: Keystone